September – Ein Road Trip von New York nach Kanada
© Anna Budeyri
Nach meinem Reisebericht im August möchte ich gern noch einmal beim Thema „Road Trip“ bleiben. Auf amerikanischen Straßen mit dem Auto unterwegs zu sein ist etwas, von dem ich nie genug bekommen kann…! Ich habe Road Trips schon immer vor allem deshalb genossen, weil es eine sehr spontane Art zu reisen ist. Man kann nie zu 100 Prozent planen, wann man wo ist und was man unterwegs erlebt. Manchmal haben wir uns sogar erst eine Stunde vor Abreise entschieden, einen kurzen Road Trip zu unternehmen. Dabei genieße ich es, dass wir uns so einfach an das anpassen können, was wir unterwegs vorfinden. Und je nachdem wie viel Energie wir haben, erkunden wir mal mehr und auch mal weniger. Ein weiterer wichtiger Grund für meine Vorliebe für Roadtrips ist, dass unsere Hündin Abbey mitfahren kann. Sie genießt es sehr, und es erscheint mir unfair, wenn wir mit dem Flugzeug verreisen und sie nicht mitnehmen können.
Anfang September war es also mal wieder so weit: Wir machten uns mit dem Auto auf den Weg nach Kanada. Weder Selim noch ich sind bisher dort gewesen, doch wir haben schon lange von dieser Reise geträumt. Jetzt war es also soweit. Normalerweise verreisen wir nur übers Wochenende. Diesmal haben wir uns aber eine ganze Woche freigenommen, um unser Ziel wirklich etwas erkunden zu können.
Wir starteten von New York City und fuhren allmählich in Richtung Kanada: Alle 1 bis 1,5 Stunden machten wir irgendwo eine Pause. Unsere drei beeindruckendsten Stationen waren Saratoga Springs, Burlington und Killington. Jede dieser Städte hatte eine eigene Besonderheit und alle drei werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.
- Saratoga Springs – eine Kleinstadt etwa 3 Stunden nördlich von New York City. Ich mochte die Stadt wegen ihrer vielen Restaurants und Cafés – fast überall wurden Bio-Lebensmittel und Obst und Gemüse direkt vom Bauern angeboten. Das mag ich sehr, habe es aber außerhalb von New York bisher selten gefunden.
- Killington - ein unglaublich schönes Ski- und Wintersportgebiet. Es hat uns gleich an unsere Winter in der Schweiz erinnert. Obwohl wir im September und ohne Schnee dort waren, konnten wir uns problemlos vorstellen, wie es im Winter dort aussieht. Die hohen Berge, die einladenden Chalets und die unzähligen geschlossenen Wintersport-Verleihstationen machten es uns leicht.
- Burlington – eine Stadt nicht weit entfernt von der kanadischen Grenze. Wir betrachten diese Stadt als wahre Entdeckung. Zwar hatten wir noch nie davon gehört, doch für uns gehört sie auf jeden Fall auf die Liste der Top 10-Orte in der Umgebung von New York. Es fühlte sich an als wohnten fast nur Studenten in dieser Stadt: In Burlington befindet sich die University of Vermont. Durch die vielen Studenten in der ganzen Stadt entstand eine ganz besondere Atmosphäre, die Energie war überall zu spüren. Die Lage der Stadt gibt ihr außerdem einen besonderen Charme: Burlington liegt direkt an einem riesigen See, an dem die Bewohner sich ihre Zeit mit Sport, Picknick oder entspannt mit einem Buch verbringen.
Nach Burlington fuhren wir direkt nach
Montreal. Sobald wir die Grenze hinter uns gelassen hatten, war es überraschend offensichtlich, dass wir uns in einem ganz anderen Land befanden: Alle Schilder waren plötzlich auf Französisch, aus Meilen wurden Kilometer, aus US-Dollars Kanadische Dollars. Wir fanden es klasse! Es hatte weniger als 6 Stunden gedauert, eine komplett andere Welt zu erreichen.
Auf dieser Reise besuchten wir nur Montreal – wir wollten uns bewusst andere kanadische Städte für später aufheben. Wir verbrachten also einige Tage in Montreal und wir haben das Gefühl, die Atmosphäre der Stadt wirklich zu verstehen. Wir haben uns in diese Stadt verliebt! Es gibt unzählige Dinge, die uns in Montreal gefallen haben. Für mich haben diese wohl den Ausschlag gegeben:
- Das kulturelle Flair der Stadt: In Montreal kann man überall etwas erleben, sogar wenn man es gar nicht plant. Als wir nach Montreal kamen, entschieden wir, zunächst alle touristischen Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Danach wollten wir uns unverplante Zeit lassen. Die ungeplante Zeit hat uns besser gefallen! :) Am Sonntag sind wir einfach vom Hotel losgelaufen, um durch die Stadt zu schlendern. Als erstes fanden wir eine Kirche, in der gerade ein kostenloses Konzert stattfand. Wir gingen hinein und waren fasziniert. Dann gingen wir zum Mount Royal, um dort etwas spazieren zu gehen. Wir hatten das Glück, dort gleich auf zwei Vorführungen zu treffen: Als erstes erlebten wir einen Gitarre-Spieler, der ganz oben auf dem Berg stand und sang. Und danach kamen wir gerade dazu, als duzende Einheimische am Ausgang des Parks zusammengekommen waren, um dort gemeinsam zu trommeln. So eine große Anzahl an Trommeln, die gleichzeitig gespielt wurden, hatten eine erstaunliche Wirkung auf uns: Es fühlte sich an wir eine Meditation und wir merkten kaum, wie die Zeit verging. Als letzte Station liefen wir durch ein gehobenes Wohnviertel (das in keinem der Reiseführer erwähnt war) mit tollen Restaurants. Nachdem wir zu Abend gegessen hatten, wurden wir Zeugen einer Tango-Tanz-Veranstaltung, bei der viele einheimische Paare auf einer Bühne in der Nähe eines kleinen Sees tanzten. Einfach wunderschön.
- Die Größe und “Gestaltung” der Stadt: Montreal hat für mich genau die richtige Größe – nicht zu groß (man braucht also keinen ganzen Tag, um von einem Ende der Stadt zum anderen zu kommen) und nicht zu klein (es gibt verschiedene Viertel, mit komplett unterschiedlicher Ausstrahlung und man spürt die Veränderung der Atmosphäre, wenn man durch die Stadt fährt). Die Aufteilung der Stadt ist sehr schön – es gibt Wohnviertel, ein Geschäftsviertel, eine Altstadt, Gegenden voller Parks und Grünanlagen etc. Der Stadtplan zeigt eine sehr logische Gestaltung, gerade so als ob die Stadt genauso von einem Designer am Reißbrett gestaltet wurde.
Dies ist nur eine kurze Zusammenfassung unserer Reise. Wir haben natürlich noch viel mehr gesehen, als ich hier schreiben kann. Ein “Road Trip” nach Kanada ist auf jeden Fall ein Erlebnis, das ich definitiv immer wieder wiederholen werde.
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