New York – Ein Traum wird wahr!

Wie alles begann.


Ich stehe am Ufer des Hudson-River und blicke auf die Skyline von Manhattan. Dieser Anblick erfüllt mich jedes Mal mit einem unglaublichen Glücksgefühl. Er zeigt mir, was ich manchmal immer noch nicht glauben kann: Ich lebe und arbeite jetzt in New York City! Ein Traum, der zum Glück jeden Morgen noch da ist, wenn ich aufwache…

Mein Weg hierher begann eigentlich schon vor 5 Jahren. Nachdem ich bis dahin mein ganzes Leben in Moskau verbracht hatte, bekam ich ein Jobangebot für eine Stelle in Genf. Zuerst war ich eher zurückhaltend, hatte Respekt vor dem neuen Umfeld, Angst vor der Herausforderung. Doch je mehr ich darüber nachdachte, wuchs die Frage „Warum nicht?“ in meinem Kopf. Also nahm ich das Angebot an.

Die ersten Monate meines ‚neuen Lebens‘ waren sehr anstrengend. Es gab Probleme mit meiner Arbeitserlaubnis, so dass ich die Schweiz anfangs jede Woche wieder verlassen musste. In den verschiedenen Hotels schlief ich nicht gut. Auch die neue Aufgabe war nicht einfach. Mein neuer Chef war sehr anspruchsvoll und ich traute mich anfangs nicht, viele Fragen zu stellen. Ich war frustriert, weil ich meine eigenen Standards nicht erfüllen konnte und dachte schon ans Aufgeben.

Doch nach ein paar Monaten wurde alles besser: Meine Arbeitserlaubnis war endlich fertig, zwei Freundinnen entschlossen sich ebenfalls, nach Genf umzuziehen und die Arbeit entspannte sich etwas. Außerdem hatte ich jemanden kennengelernt… Er war sehr nett, positiv und sehr entspannt. Wir aßen ein paar Mal gemeinsam Mittag und fingen dann an, uns regelmäßig zu verabreden. Es dauerte nicht lange bis Selim und ich zusammenzogen. Es fühlte sich an, als würden wir uns schon ewig kennen.

Die nächsten zwei Jahr glich mein Leben einem Märchen. Ich fühlte mich, als wäre ich Teil eines Films, alles schien perfekt, fast surreal, einfach unbeschreiblich… Ich lebte mit einem wunderbaren Freund, der sehr anders war als ich und der mich ständig zu Neuem inspirierte. Wir hatten inzwischen einen Hund und eine Katze, was mich sehr glücklich machte. Wir lebten in einem großen, wundervollen Apartment mitten im historischen Zentrum von Genf – eine perfekte Wahl für uns. Die Arbeit ließ mir genügend Raum, in meiner Freizeit die Stadt zu erkunden oder Freunde zu treffen. An fast allen langen Wochenenden entdeckte ich mit Freunden neue Ecken der Schweiz und besuchte die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Europa.

Genf brachte mich dazu, darüber nachzudenken, was ich wirklich vom Leben wollte. Bis dahin hatte ich für mich einfach das Standardprogramm eingeplant: Studium abschließen, Job finden, heiraten und Kinder bekommen bevor ich 30 war, jedes zweite Jahr eine größere Reise, eigenes Auto, eigenes Haus, arbeiten bis zur Rente, Rente in einem Haus mit Garten, Ende.

Als ich auf einmal richtig glücklich war, dachte ich darüber nach, wie ich auch anderen helfen könnte, glücklich zu werden. Ich begann, an meine Familie, an Kinder und die Gesellschaft ‚zurückzugeben‘. Ich lud meine Eltern ein mich regelmäßig zu besuchen. Ich überredete sie, neue Dinge zu sehen, sich inspirieren zu lassen und ihr Leben aus einer neuen Perspektive zu sehen. Es funktionierte. Sie sehen heute vieles anders, leben bewusster und sind zufriedener. Außerdem wollte ich schon immer viel mit Kindern zu tun haben. Da ich selbst noch keine hatte, entschied ich mich eines meiner Hobbies zu nutzen: Ich gab Klavierunterricht. Ich hatte eine gute musikalische Ausbildung absolviert. Also schaltete ich online eine kleine Anzeige und es funktionierte. Mehrere Leute meldeten sich und bald hatte ich 4 ‚Schüler‘ verschiedenen Alters, die mit Begeisterung Klavierspielen lernten. Ich erlebte ihren Fortschritt und Gespräche mit den Eltern bestätigten mir, dass ich für die Kinder etwas Wertvolles beitrug. Das war sehr befriedigend.

Irgendwann kam der Punkt, an dem ich feststellte, dass es mehr gab als Komfort und Lebensfreude. Es gibt so viele Orte, an denen es Menschen schlecht geht und es kam mir plötzlich fast unfair vor, dass ich in Genf so ein sorgenfreies Leben führte. Ich wollte andere Ort kennenlernen und mich dabei selbst mehr entdecken und mich weiterentwickeln. Ich begann, in Frage zu stellen, wie und wo ich mein Leben verbringen wollte.

Zu diesem Zeitpunkt nahm ich ein Angebot für einen spannenden Job in Moskau an. Ich wollte mich selbst herausfordern, doch die räumliche Trennung von Selim, mit dem ich drei Jahre lang jeden Tag verbracht hatte, fiel mir enorm schwer. Ich fühlte mich einsam, war deprimiert. Selim stellte für sich in dieser Zeit auch vieles in Frage. Er wollte auch nicht länger in der heilen Welt von Genf leben und entschied sich nach reiflicher Überlegung, einen neuen beruflichen Weg im Bereich Design einzuschlagen. Das bedeutete, dass er nochmal studieren musste. Er wählte eine Universität in New York, wo er im September 2013 sein Studium begann.

Nachdem Selim in New York angekommen war, besuchte ich ihn. Wir verbrachten 10 fantastische Tage zusammen und am Ende der Zeit fragte er mich, ob ich ihn heiraten würde! Ich hatte mit dieser Frage nicht gerechnet, sagte aber natürlich „JA!“. Es war ein Ja zu dem Mann, der mich in all meinen Entscheidungen unterstützt hatte, mich mit seinen anderen Perspektiven immer wieder bereichert, mich so nimmt wie ich bin und mir gleichzeitig hilft, mir meiner Stärken bewusst zu werden. Gleichzeitig verhalf mir unsere Verlobung zu mehr Klarheit für unsere Zukunft.

Wir planten unsere Hochzeit im August 2014. In der Vorbereitung reisten wir ständig hin und her, um unseren ‚großen Tag‘ vorzubereiten. Die Vorfreude auf die Hochzeit gab uns Energie. Wir entschieden, dass ich nach der Hochzeit nach New York umziehen würde. Allerdings hatten wir noch keine Ahnung wie das rechtlich klappen würde. Doch ich hatte Riesenglück: Im Mai 2014 erfuhren wir, dass wir in der Green-Card-Lotterie gewonnen hatten!!! Wir gehörten zu den nur 2 Prozent der Bewerber, die sich nun für eine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung in den USA bewerben durften. Das bedeutete allerdings, dass ich bis zu dem Tag unseres Interviews mit den US-Behörden in Russland bleiben musste, um den Prozess nicht zu gefährden. Nur so konnte ich belegen, dass ich ein stabiles Einkommen und einen festen Beruf hatte. Am Ende dauerte es nach unserer Hochzeit noch ein ganzes Jahr bis zur endgültigen Entscheidung. Ein weiteres Jahr der Trennung, ein Jahr voller Papierkram und Wartezeit.

Im Juli 2015 wurden unsere Visa genehmigt. Das war ein unglaublicher Moment und wir waren überglücklich. Ich realisierte, dass ich nun endlich wieder mein Privat- und Berufsleben vereinen konnte. Noch am gleichen Tag kündigte ich meinen Job, um endlich umziehen zu können. Ich mochte meinen Job und die Kündigung fiel mir nicht leicht. Zu meiner Überraschung bat mich mein Chef, die Entscheidung noch ein paar Tage für mich zu behalten. Nach wenigen Tagen bot er mir einen Job im kleinen New Yorker Büro der Firma an. Ich konnte es gar nicht glauben!

So sitze ich nun also in einem wunderschönen Apartment in New York, lebe endlich wieder mit Selim, unserem Hund und unserer Katze zusammen und kann mein Glück manchmal immer noch nicht fassen – und ich freue mich sehr, euch künftig mehr von unserem Leben hier zu berichten.


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Wie es für Anna seit ihrer Ankunft in New York weiterging, liest du in ihrem Artikel September-Impressionen.








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